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Grüntzig, Johannes W. | Mehlhorn, Heinz

Expeditionen ins Reich der Seuchen

Medizinische Himmelfahrtskommandos der deutschen Kaiser- und Kolonialzeit

Expeditionen ins Reich der Seuchen
Erscheinungsdatum 2005
Verlag/Hersteller Spektrum Akademischer Verlag...
ISBN 9783827416223
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€ 29,95 inkl. MwSt.
 

Informationen

Bibliographische Angaben Grüntzig, Johannes W. | Mehlhorn, Heinz, 379 Seiten, m. zahlr. meist farb. Abb., 1005 gr.
Reihe Vet
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Schlagworte Seuchen, Tropenmedizin

Über diesen Artikel


B
Lektionen der Vergangenheit ... für die Seuchenbekämpfung heute

S
Mit einem wissenschaftlichen Paukenschlag eröffnet Robert Koch 1876 den Kampf gegen die gefährlichsten Krankheiten seiner Zeit. Berlin wird das logistische Zentrum für bahnbrechende Experimente und Expeditionen. Ob in Choleraleichen am Ganges oder in den Zecken an den Karawanenstraßen Afrikas, überall spüren "Mikrobenjäger" nach den Ursachen der Seuchenzüge. Neue Medikamente und vorbeugende Maßnahmen der Hygiene erleichtern das Leben in den Tropen. Fernreisen und Kolonialwirtschaft boomen.

Jene aufregende Zeit wird in dem ungewöhnlichen Buch des Arztes Johannes W. Grüntzig und des Parasitologen Heinz Mehlhorn wieder lebendig. Unter Auswertung von Tagebüchern, Briefen und weiteren, oft schwer zugänglichen Quellen gelingt es den Autoren, ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlich motivierten Expeditionsfiebers zwischen 1870 und 1910 zu zeichnen. In diesen wenigen Dekaden vermochten entschlossene Forscher in den Kolonien die Auslöser und Übertragungswege vieler gefürchteter Tropenkrankheiten aufzuklären - Grundlage für eine effektive Seuchenbekämpfung auch in den Mutterländern.

Die Autoren belegen in dem spannend geschriebenen und mit zahlreichen historischen Aufnahmen ausgestatteten Buch zudem, welche Bedeutung die damaligen wissenschaftlichen Durchbrüche für den heutigen Kampf gegen aktuelle Epidemien haben, sei es nun AIDS, BSE oder SARS. Manch ein medizinisches "Himmelfahrtskommando" jener Zeit mag sich so als segensreich für gesundheitspolitische und seuchenmedizinische Entscheidungen im 21. Jahrhundert erweisen.
"Unter Auswertung von Tagebüchern, Briefen und Quellen staatlicher und privater Archive gelang es ihnen, ein faszinierendes Panorama des medizinisch-naturwissenschaftlichen Expeditionsfiebers des 19. und 20. Jahrhunderts zu zeichnen. Die Autoren verstehen es ausgezeichnet, die Verknüpfung politisch-ökonomischer Schachzüge mit persönlichem Idealismus einzelner Forscher und der Misere seuchenheimgesuchter Bevölkerungen darzustellen." (Osnabrücker Zeitung)§§"Es begegnen einem Robert Koch, Bernhard Nocht, Jesco von Puttkamer und viele andere bekannte Namen; das im besten Wortsinne populärwissenschaftliche Buch vermag durch den Text zu fesseln, analysiert seltene Quellen und bietet hochinteressante Fotografien zu Expeditionen, aber auch Erregern und Erkrankungen. Angesprochen sind geschichtlich und (tropen-)medizinisch Interessierte gleichermaßen, denn es gelingt eine Mischung aus Geschichts- und Medizinbuch, die sich wie ein Abenteuerroman liest, aber dennoch authentisch ist. Dass das Buch zudem noch in hervorragender Ausstattung zu einem günstigen Preis vorliegt, lässt den Kauf umso empfehlenswerter werden." (Medibook)§§"Das vorliegende Buch zeigt die aufregenden Entwicklungen der Medizin in der damaligen Zeit und bietet einen Einblick in die Risiken, die die Forscher auf sich nahmen: Die wissenschaftlichen Kolonialexpeditionen stellten sich oft genug als Himmelfahrtskommandos mit ungewisser Rückkehr heraus. In insgesamt 18 Kapiteln beschreiben die Autoren, unterlegt von zahlreichen historischen Aufnahmen, wie z.B. Robert Koch nicht nur den Milzbranderreger in Reinkultur züchtet, sondern auch eine Chiningabe als Malaria-Prophylaxe in den Kolonien empfiehlt und maßgeblich an der Identifizierung des Choleraerregers beteiligt ist, aber auch in Max von Pettenkofer einen erbitterten wissenschaftlichen Widersacher findet. Dabei gelingt es den Autoren, die damaligen technischen aber auch zum Teil politischen Schwirigkeiten sehr anschaulich zu beschreiben - nicht zuletzte durch zahlreiche zitierte Textpassagen. Als Leser fühlt man sich praktisch in diese Zeit "entführt" und erlebt die Expeditionen quasi mit. Fazit: Ein sehr interessantes, sehr gut lesendesund umfassend recherchiertes Buch, das eine gelungene Kombination aus Wissenschaft und Geschichte der deutschen Kolonialzeit liefert." (Pharmazie in unserer Zeit)§§"Kein Buch, um in einem Rutsch durchgelesen zu werden, aber ein Buch, das die eine oder andere Nacht schon mal kürzer ewrden lässt. Deutsche Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie Ein außergewöhnlicher, spannend geschriebener Bericht über das naturwissenschaftlich motivierte Expeditionsfieber der Kolonialzeit, die Anfänge der Tropenmedizin und der Seuchenbekämpfung." (Deutsches Ärzteblatt)§§"Den Autoren gelingt es, den Geist dieser heroischen Epoche detailgetreu zu vermitteln. Durch die Kombination aus Originalzitaten und zahlreich faszinierenden Illustrationen ist ein Buch entstanden, das für Biologen, Mediziner und Historiker gleichermaßen lesenswert ist. Spektrum der Wissenschaft Wissenschaftsgeschichte spannend erzählt. (...) Das Buch ist sein Geld wert. Laborjournal Ein Buch voll aufregender Geschichten, (...) Ein gut dokumentiertes Stück Medizingeschichte, dass auch Historiker interessieren dürfte." (DeutschlandRadio)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort oder "Warum der Blick zurück?"
1. Milzbrandentdecker Robert Koch entgeht feuchtem Grab
2. Geburtstag des Deutschen Kolonialreiches: 24. April 1884
3. Seuchenbekämpfung in den Kolonien - aussichtslos?
4. Kolonial- und Reisefieber
5. Die Cholera bedroht Europa - wieder einmal
6. Sanitätsoffiziere als Expeditionsbegleiter
7. Im besten Mannesalter wider die Pest
8. Seuchenspezialist an der Malaria-Front in Neuguinea
9. Auch Robert Koch infiziert
10. Erster Fall von Creutzfeld-Jakob in Neuguinea?
11. Schlafkrankheitsexpedition nach Deutsch-Ostafrika
12. Jagd auf Fadenwürmer in der Südsee
13. Als Augenarzt in der Südsee
14. Letzte Neuguinea-Expedition mit Maler Emil Nolde
15. Attentat in Sarajewo - Krieg und Ende der Kolonialzeit
16. Expeditionsmitglieder auf der Flucht
17. Der "lachende Tod", Erbe der Kolonialzeit?
18. Was hat heute noch Bedeutung?

Über den Autor

Johannes W. Grüntzig ist Professor für Augenheilkunde an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Dem Schulbesuch in Buenos Aires und Leipzig (Thomasschule) folgten Studium der Medizin, Tropenmedizin und Ethnologie in Heidelberg, 1964/65 Felduntersuchungen über Indigenas in Mexiko. Nach Approbation war er Assistent am Institut für Sozialmedizin in Hannover und leitender Stabsarzt der Abteilung Ergonomie am Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine in Kiel. In Kamerun produzierte er 1975 einen mehrsprachigen Film über den Augenwurm Loa loa . Forschungsreisen zum Thema parasitärer Augenkrankheiten führten ihn nach Indonesien (Flores), Thailand, Indien, Liberia, Burkina Faso, Mexiko, Honduras und Guatemala, z.T. in Kooperation mit dem Tropeninstitut Hamburg. Vortragsreisen in Kanada, Indonesien, El Salvador und USA.|Heinz Mehlhorn ist Professor für Parasitologie. Von 1991 bis 1995 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie wie auch der Weltgesellschaft für Protozoologie. Mehrere Gastprofessuren und Forschungsexpeditionen haben ihn nach Afrika, Südamerika und Asien geführt. Im Jahre 2000 nahm er an der Jahrtausendexpedition des Alfred-Wegener-Instituts für Polarforschung in die Antarktis teil. Mehlhorn zählt zu den angesehensten Parasitologen in Deutschland und ist durch zahlreiche Fernsehbeiträge über Parasiten und ihre Bekämpfung einem breiten Publikum bekannt.

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